Tag 10: 6.11.2018, Sesriem und Sossusvlei

Der Wecker klingelt um 4 Uhr und wir sind sofort ziemlich wach, denn an tiefen Schlaf war nicht zu denken. In nicht mal mehr 85 Minuten müssen wir am Gate zum Sossusvlei Park von Sesriem sein, um zur Startzone der Ballone gebracht zu werden. Wir beeilen uns und treffen auf dem Steg vor unserer Hütte auf Anke und Dieter. Es ist noch immer stockdunkel und am Himmel sind zigtausende Sterne zu sehen. Wir gehen zum Restaurant und holen unsere Frühstückspaket und einen Kaffee zum wach werden. Dann machen wir uns auf den Weg zum Parkplatz und steigen ins Auto. Im dunkeln fahren wir zum Tor und sind schneller da, als erwartet. Wir müssen etwas auf unseren Fahrer warten, doch er kommt rechtzeitig. Nicht so die anderen beiden Deutschen, die mit uns zum Startplatz fahren. Sie verspäten sich um ein paar Minuten und hätten beinahe die Ballonfahrt verpasst.
Die Fahrt zu den Ballonen dauert rund 30 Minuten. Als wir uns ihnen nähern, sehen wir, dass sie bereits befeuert werden und ein Ballon bereits aufgerichtet ist.

Es stehen schon einige Jeeps in einiger Entfernung zu den Ballonen und wir werden nach dem aussteigen direkt zu unserem Ballon gebracht. Unser Pilot heißt Daniel und ist gebürtiger Engländer, der in Deutschland aufgewachsen ist und irgendwann in Afrika gelandet ist. Er fährt vornehmlich in Kenia mit den Ballonen und ist hier nur für eine Saison. Er ist Ballonfahrer in 3. Generation, wie wir erfahren.
Das er Erfahrung hat, merkt man im an. Wir steigen in den bereits aufgerichteten Korb und heben dann ganz sanft ab.

Die Erde entfernt sich immer mehr, aber doch recht langsam.

Die anderen beiden Ballone sind bereits sehr hoch.

Hinter uns geht die Sonne auf und lässt das Gebiet um Sossusvlei rot glühen. Sand umspielt die Berghänge und kriecht an ihnen empor, unter uns ein ausgetrockneter Fluss und die roten Dünen links und rechts.

In der Ferne sehen wir die Straße nach Sossusvlei, die wir heute Abend zum Sonnenuntergang fahren wollen. Das Gate zum Park hat inzwischen geöffnet und entsprechend viele Autos sind da unten nun unterwegs.
Abgesehen von unseren Stimmen und dem zischen des Feuers ist es in der Gondel des Ballons absolut still.

Daniel beherrscht seinen Ballon wirklich sehr gut, er schafft es immer wieder, ihn zu drehen, so dass jede Seite mal vorne ist und den Blick aus der ersten Reihe auf diese wunderschönen Landschaft hat.


Über einem ausgetrockneten Flussbett geht Daniel tiefer, bis maximal 2 m über dem Boden lässt er die Gondel über dem Sand voranfahren, nur um dann rechtzeitig vor einer Baumgruppe wieder in die Höhe zu gehen.


Langsam nähern wir uns einer Kette von roten Dünen und erkennen bereits die aufgebauten Tische dort unten. Wir sehen auch einen Ballon, der bereits auf einem Trailer aufgebockt ist.
Ein Gast macht einen Scherz und meint, Daniel könnte doch direkt darauf landen. Daniel antwortet, das hätte er auch vor! Und dann sehen wir, wie ernst es ihm damit ist. Wir gehen immer tiefer und kaum sind wir tief genug, kommen ein paar Helfer herbei und greifen die Halteseile des Ballons und ziehen ihn noch etwas tiefer. Gemeinsam bewegen sie den Ballon unter Daniels Anweisungen auf den bereitstehenden Trailer. Wahnsinn! Was für eine Beherrschung!
Nach der Fahrt gibt es dann ein sehr leckeres Frühstück mit Sekt, Kaffee und Aufschnitt, sowie Croissants und etwas Obst. Anschließend fahren wir dann zurück zur Lodge. Inzwischen wird der Wind immer stärker. Einer der Piloten hat uns geraten, heute alles im Sossusvlei zu erledigen, was wir vorhaben, da für morgen ein Sandsturm mit 80 km /h erwartet wird. Wir sind erstaunt, dass sich das Wetter hier so genau vorhersagen lässt. Aber anscheinend ist die Trefferquote sehr gut. Wir beschließen, heute Nachmittag zum Sossusvlei zu fahren und dem Deadvlei einen Besuch abzustatten, auf dem Rückweg wollen wir dann auf der Düne 45 den Sonnenuntergang erleben. Die Zeit bis dorthin verbringen wir mit etwas chillen auf unserem Terrasse.
Um kurz vor 14 Uhr machen wir uns dann wieder auf den Weg zum Parkplatz und treten die Fahrt ins Sossusvlei an. Wir können es kaum glauben, aber die Straße dorthin ist eine Asphaltstraße. Wir könnten schnell fahren, aber dürfen wegen der wilden Tiere nur 60 kmh fahren. Die Straße zum Sossusvlei ist sehr eintönig, links und rechts der Straße sind Dünen und Berge, die uns die ganze Zeit begleiten. Rechts und links tauchen ab und zu in der Entfernung Oryxe auf. Am Ende der Asphaltstraße befindet sich ein großer Sandfleck mit ein paar Bäumen, die wenig Schatten spenden. Wir parken den Wagen unter einem Baum und springen dann fast direkt auf den Shuttle zum Sossusvlei. Andernfalls müssten wir 5 Kilometer im Sand und in der Hitze zu Fuß gehen. Die Fahrt ist im Jeep etwas ruckelig, aber die 5 Kilometer sind maximal 3 Kilometer, dann sind wir da. Vor uns eröffnet sich eine fantastische Dünenlandschaft, so weit das Auge reicht. Es ist heiß und die Landschaft ist schon irgendwie skuril. Gelbglühende und rotglühende Dünen erheben sich vor unseren Augen. Der Weg zum Deadvlei führt durch ein ausgetrocknetes Feld und über eine Düne, dann wieder hinab und erneut eine Düne hinauf.

Zur linken Seite befindet sich Big Daddy, die größte Düne im Sossusvlei.

Der Aufstieg auf den schmalen Kamm würde aber zuviel Zeit in Anspruch nehmen, denn der letzte Shuttle zurück geht bereits um 16 Uhr. Wie schon bei den Dünen von Walvis Bay aus fällt es mir schwer, diese wunderschöne und außergewöhnliche Dünenlandschaft zu beschreiben. Der sich auftürmende Sand strahlt bereits leicht rötlich, der schmale Grat zwischen harter und weicher Kante wirkt wie gemeißelt und schlängelt sich elegant in leichter Biegung empor. Wir stapfen durch den Sand und erreichen dann die Fläche des Deadvlei.


Vor uns stehen etliche tote Bäume auf einer weißen Salzebene, während ringsum sich die Dünen aufbauen wie eine unüberwindbare Mauer.

Es weht kein Lüftchen und es ist sehr heiß, wie in einer Sauna.

Nach der Besichtigung treten wir den Rückweg an.

Der Weg wird etwas schwierig, denn ich bemerke, dass sich mein Schuh aufzulösen beginnt. Die Hitze des Sandes ist zuviel für den Kleber der 11 Jahre alten Wanderschuhe. Die Sohle fällt mehr und mehr ab und das Gehen wird immer schwieriger.
Aber bis zum Shuttle ist es nicht mehr weit und schon geht es wieder weiter. Der Fahrer macht noch eine Extrarunde und bringt uns zum Punkt, der Sossusvlei heißt. Von hier sehen wir Big Mama, die zweitgrößte Düne des Sossusvlei. Anschließend geht es zurück zu unserem Auto.
Wir wollen zum Sonnenuntergang auf die Düne 45, doch bis dahin ist noch etwas Zeit. Aber da wir hier am Sossusvlei keine Möglichkeit haben, uns in den Schatten zu stellen, brechen wir mit dem Auto auf und fahren die 15 Kilometer zurück zur Düne 45. Hier machen wir eine kleine Fotosession, denn wir sind fast ganz allein an der Düne.


Das Licht wird immer schöner zum fotografieren. Die Düne beginnt rot zu leuchten. Es kommen andere Touris an und wagen den Aufstieg auf dem Grat, doch keiner geht bis zur Spitze. Nach ausgiebigen Fotos machen wir uns dann auf den Aufstieg.

Anke und Dieter nehmen den Weg über die harte Kante, die etwas einfacher zu besteigen scheint, währen Sibylle und ich den Weg über den schmalen Kamm nehmen. Die ersten paar Meter sind noch einfach, doch je höher wir kommen, desto schwerer wird es. Die Füße immer wieder aus dem Sand zu ziehen und neu zu platzieren erfordert Kraft. Wir erreichen die Stelle, an der alle anderen Touristen umgedreht sind. Von hier an wird der Weg zu einer wahren Kraftprobe, doch wir schaffen es und erreichen Anke und Dieter, die bereits oben angekommen sind.

Nach ein paar Fotos machen wir uns wieder an den Abstieg. Doch nicht über den Kamm, sondern über die weiche Seite, geradewegs steil hinunter. Was für ein Spaß!


Dann fahren wir zurück zur Lodge. Wir kommen gerade noch rechtzeitig an, um zu duschen und dann wieder zum Abendessen im Restaurant zu sein. Ein superschöner und ereignisreicher Tag geht zu Ende und wir fallen todmüde in die Betten.

1 Kommentar

  • Helga Asteroth sagt:

    Hallo, was für ein Tag,
    Du hast ein so unbeschreibliches Erlebnis wie die
    Ballonfahrt erstaunlich lebhaft beschrieben.( Nein,
    bei Dir ist es nicht erstaunlich.)
    Wegen des angesagten Sandsturms habt Ihr ja Glück
    gehabt, daß es vorher geklappt hat. Wir haben ja schon
    erlebt, wie alles vom Wetter dabei abhängt.
    Den weiteren Verlauf des Tages haben wir damals
    ähnlich erlebt, unvergesslich.
    Weiter so tolle Eindrücke wünscht Euch
    Helga